Was ist ein Inkassounternehmen? Aufgaben, Rechte und Grenzen

Ein Inkassounternehmen zieht offene Forderungen im Auftrag von Gläubigern ein. Bleibt eine Rechnung trotz Mahnung unbezahlt, übernimmt der Inkassodienstleister die weitere Kommunikation mit dem Schuldner – vom kaufmännischen Mahnverfahren über Ratenzahlungsvereinbarungen bis hin zur Vorbereitung gerichtlicher Schritte.

Welche Aufgaben übernimmt ein Inkassounternehmen?

  • Außergerichtliches Inkasso: Zahlungsaufforderungen, Telefonate und Verhandlungen mit dem Schuldner – der mit Abstand häufigste und wirksamste Teil der Arbeit.
  • Ermittlung: Adressermittlung bei unbekannt verzogenen Schuldnern, Bonitätsprüfung, in Spezialfällen auch Erbenermittlung.
  • Gerichtliches Verfahren: Viele Anbieter beantragen für Sie den gerichtlichen Mahnbescheid und begleiten das Verfahren bis zum Vollstreckungstitel.
  • Langzeitüberwachung: Titulierte Forderungen verjähren erst nach 30 Jahren. Gute Anbieter überwachen die Zahlungsfähigkeit des Schuldners über Jahre und vollstrecken, sobald wieder etwas zu holen ist.

Was dürfen Inkassounternehmen – und was nicht?

Inkassodienstleister erbringen eine Rechtsdienstleistung und benötigen dafür eine Registrierung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG). Die Registrierung ist öffentlich im Rechtsdienstleistungsregister einsehbar. Seriöse Anbieter dürfen:

  • Zahlungsaufforderungen und Mahnungen versenden,
  • Inkassokosten als Verzugsschaden geltend machen (in gesetzlich begrenzter Höhe),
  • Ratenzahlungen und Vergleiche vereinbaren,
  • gerichtliche Mahnverfahren beantragen.
Nicht erlaubt sind: Drohungen, Hausbesuche gegen den Willen des Schuldners, überhöhte Fantasie-Gebühren oder die Behauptung, man könne „sofort pfänden". Solche Methoden schaden am Ende auch dem Ruf des Gläubigers.

Woran erkennt man ein seriöses Inkassounternehmen?

  • RDG-Registrierung – Pflicht, ohne sie ist Inkasso illegal.
  • BDIU-Mitgliedschaft – der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen verpflichtet seine Mitglieder auf einen strengen Verhaltenskodex (freiwillig, aber ein gutes Signal).
  • Transparente Konditionen – klares Kostenmodell, keine versteckten Gebühren.
  • Erreichbarkeit – feste Ansprechpartner und nachvollziehbare Berichte über den Bearbeitungsstand.

Wann lohnt sich die Beauftragung?

Als Faustregel: Wenn zwei eigene Mahnungen ohne Reaktion geblieben sind, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Zahlung mit jedem weiteren eigenen Schreiben kaum noch. Ein Inkassounternehmen erhöht den Druck spürbar – allein der Absenderwechsel bewegt viele Schuldner zur Zahlung. Bei den meisten Kostenmodellen trägt zudem der Schuldner die Inkassokosten, sodass für Sie als Gläubiger kein oder nur ein geringes Kostenrisiko entsteht. Mehr dazu im Artikel Was kostet Inkasso?

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